Südsee

  

  

  


 Kia ora,  Kia orana,  Talofa lava,  Malo e lelei,  Ni sa bula vinaka,
Fakaalofa lahi atu,  Kam na mauri,  Taloha ni,  La orana,  Talofa,  Aloha,...
Hafa Adai,  Selamat siang, Mabuhay,  Mogethin,  'Iorana,  Ia orana,  Kaselehlia,
Halo olketa,  Maabig ya kabuasán,  Maayo,  Kamusta,  Alii,  Nena wenao,
Jahowu,  Yamakarra,  Yiparrka,  Baa kaba,  Kaoha,  Yokwe yuk,
Nitha midhikidh,   Goojee ik koo,   Wunman njinde,   Kulo malulo,   Selamat,
Dada namona,   Guana mu lenin sihak dok,   Malo le kataki,   Niganisa
Kagíé,  Bozo,  Halao,  Ran allim,  Ran annim,  Halo olgeta,  Gaoi,  Horas,
Tiabo,  Ella,  Ka oha,  Werte Arru, ...

 

 

 

Auf dem Weg zur Südhalbkugel, jenseits des Äquators, verändert sich für jeden Reisenden deutlich der nächtliche Sternenhimmel. Das als »Crux« oder »Kreuz des Südens« bekannte Sternbild der südlichen Hemisphäre leuchtet jetzt am Firmament auf. Auch Nichtastrono-men können das Sternbild dieser so intensiv leuchtenden Himmelskörper in klaren Nächten leicht ausmachen. Allerdings wandert sein Standort um den Himmelspol, in Jahreszeitenfolge zunächst von Ost nach West und dann umgekehrt.

Vier einzelne Sternansammlungen der Milchstraße, die aufgrund der großen Entfernungen als jeweils ein Punkt leuchten, formieren sich zu diesem Kreuz, dessen Längsachse in der fünffachen Verlängerung den südlichen Himmelspol erreichen würde. Die senkrechte Verbindung von dort zum Horizont zeigt die Himmelsrichtung an: Süden.

Für die alten Südsee-Völker war das »Kreuz des Südens« eine naturgegebene, lebensnotwendige Navigationshilfe, im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk des Himmels. Schon vor mehreren tausend Jahren wies es den einfachen hölzernen Kanus in der Weite des Ozeans die Richtung. Heute leuchtet das Sternbild in klaren Nächten über den romantischen Südseeträumen der Reisenden. Südseeträume von schneeweißen, feinsandigen Stränden, durchsichtig blauen Lagunen, sonnendurchfluteten Palmenhainen und bildschönen Mädchen, die sich verführerisch beim Tanz in den Hüften wiegen. Dabei gibt es »die Südsee« geographisch gar nicht. Schuld an der falschen Namensgebung ist der spanische Seefahrer Vasco Nünez de Baiboa, der als erster Weißer im Jahre 1513 pazifische Gewässer zu Gesicht bekam und das fremde Meer »Mar del Sur« (Südsee) nannte. Aus dieser Bezeichnung ist letztendlich ein Mythos geworden. Offiziell heißt diese Region, die wie keine andere auf der Welt bis auf den heutigen Tag romantisch verklärt ist, Ozeanien.

Von den Europäern wurden die meisten Inseln des Südpazifik erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entdeckt, als in Europa die Theorie aufkam, daß irgendwo in der südlichen Hemisphäre ein weiterer Kontinent existieren müsse, eine »terra au-stralis incognita«. Es mußte dieses Land geben, so die Theorie, wie sonst hätte die Erde das Gleichgewicht halten können? Die Landmassen in der südlichen Hemisphäre, davon war man überzeugt, bildeten das notwendige Gegengewicht zu den Gebieten der nördlichen Hemisphäre. Besonders Englands König George III. erwärmte sich für diese Theorie und startete eine Reihe von Schiffsexpeditionen, um dieses unbekannte Land für die englische Krone zu sichern. 1764 schickte er Kapitän John Byron, den Großvater des berühmten Dichters, mit dem Segelschiff

»Dolphin« auf die Reise. Byron verfolgte einen nördlichen Kurs über den Pazifik und entdeckte aber lediglich Tokelau. Seine Suche nach dem mysteriösen Kontinent blieb erfolglos. George III. schickte nach Byrons Rückkehr den Kapitän Samuel Wallis noch einmal mit der »Dolphin« auf Entdeckungsreise in die Südsee. Zwar konnte auch Wallis den unbekannten Kontinent nicht finden, aber auf seiner Suche »stolperte« er 1767 über Tahiti. Nur ein Jahr später erreichte auch der französische Entdecker Louis Antoine de Bougainville Tahiti. Die Eingeborenen erzählten nichts von dem vorangegangenen Besuch Wallis', und so beanspruchte de Bougainville Tahiti für Frankreich. Er segelte anschließend weiter nach Westen, wo er einige der samoanischen Inseln entdeckte und schließlich die Salomon-Inseln erforschte.

Als erster Franzose hatte er bei seiner Rückkehr 1769 die Welt umsegelt. Zu dieser Zeit hatte auch England erneut einen Kapitän in die Südsee entsandt. Er sollte den Weg der Venus beobachten und vor allem in geheimer Mission weiter nach dem immer noch unbekannten Kontinent suchen. Seine drei Entdeckungsreisen sollten diesen Kapitän zu dem berühmtesten aller Südsee-Entdecker werden lassen: Es war Kapitän James Cook. Cook war ein typischer Vertreter seiner Zeit, der Aufklärung. Er war nicht nur ein hervorragender Navigator, sondern auch Mathematiker, Astronom und Mediziner. Er entdeckte die Gesellschartsinseln, die Austral-Inseln, einige der Fidschi-Inseln, die nach ihm benannten Cook-Inseln, Niue, Neukaledonien, Norfolk und besuchte auch das Königreich Tonga. Seine Reisen führten Cook kreuz und quer durch eine friedliche und freundliche Südsee.

In den Köpfen der Europäer ist diese Region seit ihrer Entdeckung der Inbegriff ungezwungenen, unbeschwerten Lebens mit all seinen Verlockungen. Neugierig geworden, ließ sich Ende des 18. Jahrhunderts zum Beispiel der österreichische Kaiser von dem deutschen Pazifikforscher Georg Forster über die Südsee unterrichten, Dichter wie Matthias Claudius, Friedrich Klopstock und Goethe schwärmten aus der Ferne von den Inseln. Im 19. Jahrhundert lockte es den englischen Forscher Charles Darwin in die exotische Welt. Und der Maler Paul Gauguin bannte die nur leicht verhüllte Schönheit polynesischer Frauen für die Nachwelt auf Leinwand.

Wie immer liegt der Dichtung auch Wahrheit zu Grunde. Es gibt sie tatsächlich, die schönen Menschen in der Südsee, die anmutig über den schneeweißen Strand schreiten. Im Wind sich wiegende Palmen säumen blauschimmernde Lagunen mit Schwärmen bunt schillernder Fische. Hier zu baden, in dem klaren, weichen, wohltemperierten Wasser, wird ein unvergeßliches Erlebnis bleiben ebenso wie der Sonnenuntergang hinter einem Motu, wie die oft kreisrunden, palmenbewachsenen Koralleninseln heißen. Die Werbung der Tourismusindustrie hat hier leichtes Spiel: Die Klischees in puncto Südsee sind vielfach Wirklichkeit.

Doch im Alltag der Inselbewohner hat die Realität die Romantik lange überholt. Wirtschaftliche Probleme machen den Inselstaaten zu schaffen, Naturkatastrophen wie Zyklone vernichten immer wieder die Aufbauarbeit von Jahren, und neuzeitliche Errungenschaften, wie Düngung und Schädlingsbekämpfungsmittel, entpuppen sich als verheerende Umweltzerstörer, die schnell den relativ kleinen Lebensraum »Insel« vernichten können.

In den meisten Fällen von heute auf morgen von den deutschen, britischen und französischen Kolonialherren in die Selbständigkeit entlassen, mangelt es vielen Inselregierungen an Know-how, um wirtschaftlich zu überleben. Das Fehlen von Bodenschätzen und Industrie sowie unzureichende landwirtschaftlich nutzbare Flächen lösen vielfach einen Teufelskreis aus, bei dem die Abhängigkeit vonImporten zu immer höherer Verschuldung führt. Gerade die ganz kleinen Inseln halten daher verzweifelt an politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zum ehemaligen Mutterland fest.

Mit Unterstützung der »großen« Nachbarn Neuseeland und Australien wurden in den letzten Jahren Organisationen zur Selbsthilfe wie etwa das Südpazifik-Forum gegründet, die sich vor allem der Umwelt-, Wirtschafts- und Verkehrsprobleme dieser über Tausende von Kilometern verstreuten Inselwelt annehmen. Große Sorgen macht der sogenannte Treibhauseffekt, die von den Industrienationen verursachte zunehmende Erwärmung der Erde. Heute schon spürbar ist der kontinuierliche Anstieg des Meeresspiegels, hervorgerufen durch das Schmelzen der Eismassen an den Polen.

Mit 166 Millionen Quadratkilometern bedeckt der Pazifische Ozean mehr als ein Drittel der Erdoberfläche. Er erstreckt sich von der Beringstraße im Norden bis zur Antarktis im Süden. Im Westen wird der Ozean von Australien und Asien, im Osten vom amerikanischen Doppelkontinent begrenzt. Der Anteil Ozeaniens umfaßt etwa 70 Millionen Quadratkilometer zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis. Die Gesamtfläche der Inseln Ozeaniens beträgt lediglich rund eine Million Quadratkilometer, wobei die Landmasse Neuguineas (mit Papua-Neuguinea) allein annähernd 780000 Quadratkilometer einnimmt. 5,3 Millionen Menschen leben auf den in diesem Führer erwähnten Inseln, davon fast 70 Prozent in Papua-Neuguinea.

Mitunter läßt sich nur schwer unterscheiden, ob es sich lediglich um ein Korallenriff oder bereits um eine Insel handelt, so daß Schätzungen über die Gesamtzahl der Inseln zwischen 7500 und 10 000 schwanken. Großräu-mig gliedern sie sich in drei Inselwelten: Melanesien, Mikronesien und Polynesien.

Melanesien, was übersetzt soviel heißt wie »schwarze Inseln« (wegen der dunkelhäutigen Bewohner), erstreckt sich im Westen und ist der wildeste, abenteuerlichste Teil der Südsee. Dazu gehören Fidschi, Papua-Neuguinea, die Solomon-Inseln, Vanuatu und Neukaledonien. Mit einer Gesamtfläche von fast 600000 Quadratkilometern hat Melanesien den größten Anteil an der pazifischen Inselwelt. Kultur und Sprache sind regional oft sehr verschieden, haben sich vor allen Dingen unterschiedlich schnell entwickelt. Einzelne abgeschiedene Kulturen befinden sich heute noch auf Steinzeitniveau.

Mikronesien, das »Kleininselgebiet« im Nordwesten, östlich der Philippinen und nördlich des Äquators, umfaßt rund 2100 Inseln mit einer Gesamtfläche von nur 2000 Quadratkilometern. Dazu zählen Kiribati, Guam, die Föderierten Staaten von Mikronesien, Palau (Belau), die Mar-shall-Inseln, Nauru und die Nördlichen Marianen.

Polynesien, die »vielen Inseln«, erstreckt sich in einem Dreieck von Neuseeland im Südwesten über die Inseln im Südosten bis Hawaii im Norden. Aus dieser gewaltigen Meeresfläche ragen, weit verstreut, mehrere tausend Inseln, die insgesamt nur 26 000 Quadratkilometer Land ausmachen. Die bedeutenderen sind Samoa und Amerikanisch-Sa-moa, die Cook-Inseln, Tonga und Französisch-Polynesien. Daneben gibt es noch Norfolk, To-kelau, Tuvalu, Wallis und Futuna, Niue, Pitcairn und die Osterinsel. Den »Mythos Südsee« schufen schon vor mehr als 200 Jahren Matrosen, die nach langen, entbehrungsreichen, von Unwettern verfolgten Seereisen die exotischen Inselwelten mit meist friedlichen und freundlich

gesinnten Menschen als kleine Gärten Eden erlebten. In der europäischen Heimat bekamen Geschichten vom Paradies auf der anderen Seite der Erdkugel durch diese Begegnungen immer neue Nahrung. Besonderes Objekt der Faszination wurde die Südsee-Frau, speziell im späteren Fran-zösisch-Polynesien. Nacktheit galt dort als etwas ganz Natürliches, sie wurde mit Blüten und Blättern aufreizend geschmückt. Der ekstatische Hüftschwung beim Tanz signalisierte Verführung. Und was im christlichen, teilweise puritanischen Europa keiner anständigen Frau erlaubt war, in der polynesischen Gesellschaft entsprach es dem Moralkodex: Die Insulanerinnen praktizierten so etwas wie »freie Liebe«, hatten Beziehungen zu mehreren, frei gewählten Sexualpartnern.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts bemühten sich eifrige Missionare aus Europa auf den Südseeinseln nicht nur heidnische Götter zu vertreiben, sondern auch der »Sittenlosigkeit und Unmoral« Herr zu werden. Meist mit Erfolg, auf vielen Inseln ist die Bevölkerung bis heute bibelfest, stolz auf ihre unzähligen Kirchen und sonntags fast vollzählig und andächtig beim Gottesdienst versammelt. Züchtig hüllen sich die Frauen dann in hochgeschlossene, weite und lange Baumwollkleider und bedecken ihre Häupter mit groß-krempigen Hüten. Zeitweise wurden im Zuge der Christianisierung sogar traditionelle Musik und Instrumente untersagt, Tänze als Teufelswerk verdammt. Viel ging damals für immer verloren an kultureller Identität, an Überlieferungen auch von Kunsthandwerk und Naturmedizin.

Doch trotz ausbeuterischer Kolonialzeit, blutiger Besetzungen während der Weltkriege und des zunehmenden Tourismus' haben sich die Einheimischen ihre Lebensfreude, Freundlichkeit und vor allem die traditionelle Gastfreundschaft weitgehend erhalten. In den kleinen Dörfern auf einigen abgelegeneren Inseln halten die Bewohner noch stark an alten Sitten und Gebräuchen fest. Hier sind Besucher gut beraten, sich an die jeweiligen, Europäer oft erstaunenden und sogar befremdenden Verhaltensregeln zu halten und die manchmal uneingeschränkte Gastfreundschaft nicht zu sehr zu strapazieren. Ausnahmen bilden touristische Zentren in Französisch-Poly-nesien, wie Bora Bora, wo der spontane, herzliche Umgang mit den Fremden dem geschulten Service im Fremdenverkehr gewichen ist.

Auch dort werden den Besuchern noch intensiv duftende Blütenketten als Willkommensgruß um den Hals gelegt, oft gleich bei der Ankunft am Flughafen. Wer abreist, ohne mit Blumen- oder Muschelschmuck verabschiedet worden zu sein, hat keine Freunde gefunden, sagt man in der Südsee. Die meisten Besucher tragen ihn.

Besiedlung

Die Südseeinseln gehören zu den letzten Gebieten der Erde, die von Menschen besiedelt wurden. Woher die Siedler kamen, ist bis heute ungewiß geblieben. Schriftliche Überlieferungen existieren nicht, und die mündlichen sind weitgehend eingebunden in die Mythologie, in märchenhafte Legenden, die kaum als historische Quellen dienen können. Eine ungefähre zeitliche Einordnung wurde möglich durch radiologische Messungen, die z.B. anhand ausgegrabener Tonscherben eine erste Besiedlung der östlichen Südseeinseln auf 3500 v.Chr. datierten. Tonga wurde später als Fidschi, Samoa erst 500 vor und die noch weiter im Osten gelegene Osterinsel schließlich 400 Jahre nach Christi Geburt von Menschen betreten. Es muß in zeitlichen Abständen verschiedene Besiedlungswellen gegeben haben. Vor allen Dingen die ethnischen Unterschiede zwischen den Inselbewohnern der Südsee

lassen auf verschiedene Herkunftsgebiete schließen. So haben die Mikronesier einen asiatischen Einschlag und sind vermutlich lange vor Christi Geburt von Osten her in den Pazifik gewandert. Die dunkelhäutigen Melanesier besitzen negroide Züge und sollen wissenschaftlichen Theorien zufolge vom afrikanischen Kontinent abstammen. Im Gegensatz zu den fast hellhäutigen Polynesiern, deren Urheimat wahrscheinlich im heutigen Indonesien, möglicherweise aber auch in Südamerika lag.

Letzteres wollte der norwegische Forscher Thor Heyerdahl beweisen, als er im Jahr 1947 mit seinem aus Balsaholz gebauten Floß »Kon-Tiki« ohne jegliche moderne Navigationsgeräte in 97 Tagen den Pazifik von Calao in Peru nach Tahiti überquerte. Trotz dieser Meisterleistung gilt seine Theorie aber weiterhin als umstritten. Die frühere These, nach der die Südsee-Inseln von den ersten Menschen mehr durch Zufall erreicht wurden, abgetrieben von Wind und Wellen, teilen die Fachleute heute nicht mehr. Auf grund computergestützter Untersuchungen behaupten neuseeländische Wissenschaftler, die Steinzeitmenschen seien damals mit dem Ziel, Land zu entdecken, bewußt nach Osten gegen den Wind gesegelt - um im Falle eines Scheiterns leichter, mit dem Wind, nach Hause zurückkehren zu können.

In den geräumigen Kanus war Platz für ausreichend Kokos nüsse, deren Milch auch den Durst löschte, für Setzlinge, die in der neuen Heimat angepflanzt werden sollten, und für Haustiere wie Schweine und Hühner. Derart ausgerüstet, war die wirtschaftliche Grundlage für einen Neuanfang auf einem entdeckten Eiland gegeben, wo die Riffgewässer mit ihrem Fischreichtum zusätzlich den Nahrungsbedärf sicherten.

Der Expedition des Portugiesen Ferdinand Magellan gelang 1519 bis 1521 die erste Weltumsegelung und damit auch die Durchquerung des Pazifiks, allerdings ohne daß dabei Neuland gesichtet wurde. Holländische Seefahrer, vor allem Abel Jans-zoon Tasman, machten sich später als Entdecker einen Namen. Im 18Jahrhundert erkundeten verstärkt Engländer und Franzosen die Südsee. Am erfolgreichsten war der Brite James Cook, der gleich dreimal die Südsee durchkreuzte, dabei Natur und Bewohner erforschte, wissenschaftliche Abhandlungen verfaßte und erste brauchbare Karten anlegte.

Auf den meisten Inseln wurden die ersten Europäer von den Einheimischen neugierig und friedlich begrüßt. Aber es kam auch zu kriegerischen Begegnungen, besonders in Melanesien, wo einige Matrosen während ihrer Landbesuche hinterrücks niedergemetzelt wurden; aber auch die Weißen schössen feindliche Insulaner rigoros nieder. Im 19. Jahrhundert wurden die noch ursprünglichen Inselwelten interessante Ziele für mehr oder weniger ehrenhafte Kaufleute, rauhbeinige Walfänger, auf jeden Fall für Abenteurer, aber auch für Missionare, die den Insulanern nicht nur das Christentum, sondern auch die damals dazugehörenden strengen Moralvorschriften aufzwingen wollten. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten die europäischen Mächte die Südseeinseln als Kolonialgebiete. England, aber auch Frankreich und .Deutschland erhoben Anspruch auf die Inseln der Südsee. Mit den Engländern kamen - als Arbeitskräfte der britischen Kolonialherren - auch zahlreiche Inder nach Fidschi, wo sie noch heute einen großen Teil der Bevölkerung stellen.

Fauna

Die Tierwelt in der Südsee außerhalb des Meeres ist recht artenarm. Es dominieren Seevögel, einige Zugvögel lassen sich periodisch nieder, und mancherorts sind inzwischen auch reine Landvögel wie z.B. Papageien heimisch. Fast überall sieht man die schwarze Molukken-Amsel, die einst vom Menschen zur Bekämpfung von schädlichen Insekten eingeführt wurde, sich aber im Laufe der Jahre mangels natürlicher Feinde zu stark vermehrt hat. Unter den Säugetieren sind Fledermausarten ursprünglich heimisch und heute noch zahl reich vertreten. Schon bei der Besiedlung landeten Ratten auf den Inseln, die sich schnell vermehrten. Sie sind ganz wild auf grüne, noch ganz junge und leicht zu knackende Kokosnüsse. Damit die Schädlinge nicht die Kokospalmen hinaufklettern, sind auf einigen Inseln die Stämme mit breiten Metallbändern versehen.

Ebenfalls vom Menschen eingeführt wurden Mäuse, die heute überall streunenden Hunde und Nutztiere wie z.B. Schweine, die leider immer reichlich Fliegen anziehen. Schmerzhafte Stiche und Bisse verursachen Skorpione und Tausendfüßler. Deshalb sollte man den Gecko, ein überall präsentes kleines Echsentier, liebgewinnen. Er frißt Insekten und ist harmlos. Keine Angst - außerhalb von Papua-Neuguinea ist die Tierwelt der Inseln in der Südsee eher friedlich, zumindest gibt es keine für den Menschen gefährlichen Raubtiere.

Ausgesprochen artenreich ist die maritime Fauna. Fische in allen Größen und Farben bevölkern den Pazifik. Ganze Schwärme ziehen durch die Korallenwelt. Im klaren Wasser der Lagunen fällt die Farbenpracht der Fische besonders ins Auge. Ungefährlich ist die Unterwasserwelt nicht. Mit Haien muß man im tiefen Meer jenseits des Riffs rechnen. Bis zu zwei Meter lange, giftige Seeschlangen, deren Biß tödlich ist, leben zwischen den Korallen, kriechen nachts aber auch schon einmal an den Strand. Rund 250 giftige Fischarten können unvorsichtigen Tauchern im Pazifik, auch im Lagunenwasser, gefährlich werden: Der Stich des Stachelrochen ist sehr schmerzhaft, aber nicht

tödlich. Anders der stachelige Steinfisch (Skorpionfisch), ein wahrer Tarnkünstler, dessen Gift zum Tode führen kann. Besonders bizarr sind viele Muschelarten, wie die riesige Clam-Muschel (Paua), die bei den Polynesiern roh als Delikatesse gilt, aber inzwischen unter Naturschutz steht. Es gibt Kegelschnecken (Conus-Schnecken), die winzige, tödliche Giftpfeile abschießen, wenn ihnen Taucher zu nahe kommen. Leider liegen Seeigel mit manchmal giftigen, aber immer schmerzhaft stechenden Stacheln auch im seichten Wasser in Strandnähe auf dem Meeresboden. Und auf dem Grund der Lagunen sind harmlose Seegurken zu Hause.

Flora

Abgesehen von den großen kontinentalen Inseln Fidschis und Papua-Neuguineas ist die Pflanzenwelt im restlichen Südseeraum, besonders auf den Korallen-Inseln, relativ artenarm, dafür farbenreich. Ursprungsland der Pflanzen dürfte Malaysia sein. Wind, Vögel und Meeresströmungen haben Samen auf die Inseln transportiert. So konnte sich in der Bergwelt der hohen Vulkaninseln auch tropischer Regenwald ausbreiten, wurden die Flußmündungen vom Mangro-vendickicht versumpft. Dazwischen, in den Niederungen, dominieren Bambus, Akazien, Feigen- und Papiermaulbeerbäume (Pandanus).

Die Südseevegetation ist bluten- und farbenreich, und das von Januar bis Dezember. Entsprechend verschwenderisch gehen die Insulaner mit der schnell welkenden Pracht um, reihen die Blüten zu bunten Ketten und Girlanden auf, stecken sie sich als Haarschmuck hinters Ohr und legen sie als Dekoration auf das gemachte Hotelbett. Neben zahlreichen Orchideenarten blühen weiße Gardenien (in Tahiti die Nationalblume) und Hibiskus in den Farben Weiß, Gelb und Rosa. Feurig rot strahlen die Blüten des Flametree (auch Flamboyant), allerdings nur von Dezember bis März. Von tiefroter Farbe sind die großen Blüten des Tulpenbaums.

Dort wo die Böden aus verwittertem Vulkangestein bestehen, findet auch die Landwirtschaft eine fruchtbare Krume vor. Hier werden vom Menschen eingeführte Kulturpflanzen angebaut: die mit der Kartoffel nicht verwandte Süßkartoffel (auch Batate), Taro, Yams, Maniok (auch Tapioka oder Cassava genannt), Pfeilwurz und der Brotfruchtbaum (auch Uru), dessen kohlehydratreichen Früchte bis zu drei Kilogramm schwer werden. Auf Plantagen gedeihen tropische Früchte wie verschiedene Bananensorten, Ananas, Mango und besonders üppig die gelbgrünen Papayas (pawpaw). Bereits ein Jahr nach seiner Pflanzung trägt dieser Baum erste Früchte.

Folklore

 

Dem Tanz und Gesang kann sich kein Tourist in der Südsee entziehen. Mindestens einmal in der Woche veranstalten größere Hotels einen Folkloreabend, bei dem alle Gäste aktiv miteinbezo-gen werden, so gebietet es die traditionelle Gastfreundschaft. Regional unterschiedlich gibt es festgelegte Formationen, bei denen Männer und Frauen immer den für sie bestimmten Part einnehmen. Die Bewegungen der Frauen sind weich, schwungvoll in der Hüfte, .mit zierlichen Schritten und verspielten Gesten. Dabei sind die Tänze in der östlichen Südsee, schon auf den Cook-Inseln, deutlich erotischer als z.B. in Fidschi.

Je nach Rhythmus und Anfeuerung durch das Publikum kann sich auf Tahiti der Hüftschwung bis ins Ekstatische steigern. Den Tanzstil der Männer machen Kraft und Imponiergehabe aus. Beim Kriegstanz mit entsprechenden Waffen nehmen die Bewegungen geradezu bedrohliche Formen an. Tanzvorführungen sind immer »verpackt« in mehr oder weniger traditionelle Kostüme, die stets blütenreich und farbenfroh sind und in Französisch-Polynesien mehr enthüllen als in Fidschi. Die Lieder sind ausgesprochen melodiös, die Rhythmen werden vorgegeben durch einfache Schlaginstrumente, wie mit Haifischhaut bespannte Trommeln oder ausgehöhlte Hölzer. Für helle Töne sorgt die Ukulele, ein simples Saiteninstrument, dem schon eine bespannte halbe Kokosnußschale als Klangkörper dient.

 

Kokospalme

Der wichtigsten Pflanze in der Südsee hat die Mythologie das Märchen von Sina und dem Aal gewidmet: In Sina, das schönste Mädchen weit und breit, verliebte sich der Prinz von Fidschi. Um ihr näher sein zu können, verwandelte sich der Prinz in einen Aal und tauchte ab in das Wasserloch, in dem Sina täglich ihr Bad nahm. Der Schönen wurde der anhängliche Aal nach einiger Zeit lästig, und sie beschloß, dem Tier den Kopf abschlagen zu lassen. Da gestand der Aal seine Liebe und machte Sina ein letztes Geschenk: »Damit du dich immer an mich erinnerst, wird dort, wo du meinen Kopf begräbst, eine Palme wachsen. Sie wird dir Schatten spenden, der Saft ihrer Nüsse wird deinen Durst, das Fleisch deinen Hunger stillen.« Und so geschah es. Die erste Kokospalme trug ihre Früchte. Und wer eine Kokosnuß ganz genau betrachtet, kann Augen und Maul, eben das Gesicht des Aals, erkennen.

Die Kokosnußpalme, die heute überall in der Südsee wächst und ohne die menschliches Leben auf vielen Inseln gar nicht möglich gewesen wäre, ist keine heimische Pflanze. Doch woher sie kommt und wie sie den Weg übers Meer gefunden hat, ist noch ungeklärt. Schwimmfähig ist die nußhaltige Frucht allemal. Bei entsprechender Meeresströmung kann sie unbeschadet und noch keimfähig mehrere tausend Kilometer zurücklegen. Der Nährstoffgehalt der keimenden Frucht reicht monatelang, bis der grüne Schößling sprießt. Selbst auf kargen Korallenböden schlägt die Palme zahlreiche, wenn auch nicht tiefe Wurzeln und wächst bis zu einer Höhe von 30 Metern. Ganz oben in der Krone zwischen den großen, gefiederten Blättern sprießen männliche und weibliche Blüten. An letzteren reifen innerhalb von zwölf Monaten die schweren, zunächst grünen Früchte. Zwischen dem 12. und 40. Lebensjahr kann eine Palme jährlich um die 80 Nüsse abwerfen. Nach spätestens 100 Jahren stirbt sie ab. Nur die grüne Frucht mit wenig weichem Kokosfleisch enthält den erfrischenden Saft. Erst die reife Nuß birgt im Innern das herzhafte, bißfeste, nährstoffreiche Fleisch.

Ein angespitzter Holzpflock hilft den Insulanern, die reife Nuß aus der dunklen, faserigen Außenschale (ideal als Brennmaterial) zu pellen, der Rekord liegt bei sechs Sekunden. Ein paar gut plazierte Schläge auf die drei feinen Linien der haarigen Schale, und die Kokosnuß ist in zwei Hälften gespalten. Mittels scharfer Muschelschalensplitter wurde ursprünglich das Fleisch aus den Hälften geraspelt, um daraus cremige weiße Kokosmilch zu pressen. Pur auf die menschliche Haut aufgetragen, wirkt die Milch als natürlicher Zartmacher. Kopra, getrocknetes Kokosnußfleisch, ist auf vielen Inseln das einzige Exportgut. Die ausgehöhlten harten Schalen dienen, entsprechend zurechtgeschliffen und verziert, als Behältnisse in Haushalt und Werkstatt, als Schmuckstücke und Klangkörper für rhythmische Musik.

Auch die überreife Nuß der bereits keimenden Frucht birgt eine Köstlichkeit: weißes, süßes, saftiges Mark, das auf der Zunge regelrecht zergeht. Doch die Kokospalme ist nicht nur Nahrungsquelle. Ihr Stamm dient als Baumaterial. Mit den Blättern werden die Dächer gedeckt, und der dichte Rauch der brennenden Rinde vor der Türöffnung vertreibt wirksam Moskitos. Aus den Palmwedeln lassen sich allerhand Gebrauchsgegenstände wie Körbe und Matten flechten, Windspiele für Kinder und sogar kleine Figuren wie Heuschrek-ken und Fische.

Nuklearversuche

Über 40 Jahre lang warvcfer für die Atommächte abseits gelegene Pazifik ein Testgebiet für Atomwaffen, bis 1993 die Versuche weltweit zunächst eingestellt wurden. Zwischen 1946 und 1958 war das Bikini-Atoll der Marshall-Inseln Versuchsgelände für 23 Atom- und Wasserstoffbombenzündungen der USA. Die Bewohner der Marshall-Insel Rongelap wurden 1954 vom radioaktiven Fallout des US-Atomtests »Bravo« erfaßt, wenige Tage nach der Explosion evakuiert, aber schon drei Jahre später auf ihre Insel zurückgebracht. Erst nachdem viele Kinder starben, sich die Fehlgeburten häuften, mißgestaltete Babys zur Welt kamen und Erwachsene der Reihe nach an Krebs erkrankten, verließen die Insulaner endgültig ihre Heimat. Zu spät begriffen sie, daß die »Superbombe«, wie die Kombination von Wasserstoff- und Atombombe von den US-Militärs stolz genannt wurde, ihre Körper und ihre Umwelt, ihr ganzes Leben und das ihrer Nachkommen radioaktiv verseucht hatte. Selbst bei penibelster Säuberung der Insel müßten ca. 50 Jahre vergehen, bis wieder eine landwirtschaftliche Nutzung in Erwägung gezogen werden könnte.

Frankreich begann 1965 mit Atomversuchen auf den Tua-motu-Atollen Moruroa und Fangataufa; bis 1975 wurden die Tests sogar überirdisch, danach, aufgrund weltweiter Proteste, unterirdisch durchgeführt. Etwa 2800 Menschen waren ständig auf der Insel: Militär, Wissenschaftler und polynesische Arbeitskräfte. Sie alle seien nie gefährdet gewesen, behaupten die Franzosen. Radioaktivität sei in all den Jahren der unterirdischen Versuche allenfalls in winzigen, harmlosen Mengen nach außen gedrungen. Im Gegensatz dazu sprach 1990 das staatliche neuseeländische Fernsehen von jährlich 250 Opfern der Atomversuche, die zur medizinischen Versorgung nach Frankreich geflogen würden.

Die Stimmen der Atomtestgegner wie der Umweltschutzorganisation Greenpeace wurden immer lauter, die pazifischen Nachbarstaaten, aber auch Neuseeland und Australien forderten die französische Regierung mehrmals erfolglos auf, die Versuche einzustellen.
Auch ein 1985 von den Mitgliedsstaaten des Südpazifischen Forums geschlossener Vertrag über einen Pazifik als nuklear-waffenfreie Zone machte bei den Franzosen keinen Eindruck. Der französische Geheimdienst versenkte im Hafen von Auckland (Neuseeland) sogar das Greenpeace-Schiff »Rainbow Warrior«, nachdem es immer wieder versucht hatte, Atomtests zu verhindern. Wissenschaftler behaupten, das Moruroa-Atoll sei inzwischen durchlöchert wie ein Schweizer Käse, und aus den zahllosen Bohrlöchern würden radioaktive Stoffe entweichen. Nach 198 Nukleartests und weltweit massiven Protesten beendete Frankreich 1996 die Atomversuche im Südpazifik - und versucht jetzt auf diplomatischem Weg, die Wogen zu glätten.

Oberflächengestalt

Auf dem Meeresgrund des Pazifiks herrscht Bewegung, nämlich die sogenannte Plattentektonik. Tief im Innern der Erdkruste schiebt sich die Pazifische Platte in nordwestlicher Richtung unter die Indo-Australische Platte (Subduktion), und das in einer für Geologen rasanten Geschwindigkeit von etwa zehn Zentimetern pro Jahr. Beim Abtauchen schmilzt das Gestein der Pazifischen Platte zu flüssigem Magma. Wenn sich die Platten ineinander verhaken, kann es an diesen Kontaktstellen zu Spannungen kommen, die im Extremfall Erdbeben tief im Innern der Erdkruste auslösen. Die labile Kontaktzone ist auch vulkanisch ausgesprochen aktiv. Durch Risse in der Erdkruste schießt flüssiges Magma nach oben. Auf der gesamten Subduk-tionszone, in deren Einzugsbereich sich auch Fidschi, die Salo-mon-Inseln, Vanuatu, Tonga und Papua-Neuguinea befinden, liegen weit über die Hälfte aller tätigen Vulkane der Erde (Zirkumpazifischer Vulkangürtel). Magma dringt ebenfalls durch sogenannte »Hot Spots« nach oben, die als regelrechte Magmaquellen tief im Erdmantel unter der Pazifischen Platte ihren festen Platz haben.

Bei der Plattenbewegung bleibt nicht aus, daß die Austritte der Schmelzmassen einer steten Ortsveränderung unterliegen und bereits entstandene Vulkane von ihrer Magmaquelle praktisch »weggeschoben« werden. »Hot Spot«-Ketten reihen sich auf in Französisch-Polynesien, bei den Marquesas, den Cook-, Christmas- und Marshall-Inseln.

Ein wichtiger »Insel-Baumeister« in der Südsee ist die Koralle. Die millimeterkleinen Polypen hinterlassen nach ihrem Tod Kalksteingehäuse, aus denen sich im Laufe der Zeit Riffe aufbauen, die irgendwann als Inseln aus dem Meer herausragen können. Entscheidend für das Wachstum der Korallenbänke sind klares Salzwasser und eine Wassertemperatur von 21 bis 35 Grad. Im Bereich von Flußmündungen, wo Süßwasser austritt und den Salzgehalt des Meerwassers senkt, gedeihen Korallen nicht. Außerdem brauchen die Tiere Sonnenlicht, weshalb man sie auch nicht in Tiefen über 50 Metern antrifft. Je nach Korallenart und deren Lebensbedingungen wachsen die Riffe unterschiedlich langsam. Taifune können in einer Nacht die Aufbauarbeit von Tausenden von Jahren zerstören.

Bei den Südsee-Inseln werden fünf Haupttypen unterschieden:

1. Kontinentalinseln

Sie ragen als Gipfel untermeeri-scher Berge aus dem Wasser und bestehen ähnlich wie die Landmassen der Kontinente aus sehr altem, aber im Vergleich zu vulkanischem Gestein leichtem Fels, der sich bei entsprechenden Bewegungen des Meeresgrundes mit anderen Landmassen vereinigt. Wie im Innern der Kontinente können hier Lagerstätten von Erzen und anderen Mineralien ausgemacht werden. Beispiele: die Fidschi-Inseln Viti Levu und Vanua Levu.

2.Hohe vulkanische Inseln

Sie entstehen über einem Hot Spot, der unterhalb des Meeresbodens Magma ausstößt. Der aus erkalteter Gesteinsschmelze gewachsene Berg kann eine Höhe von bis zu vier Kilometern erreichen und ragt mit seiner Spitze aus der Meeresoberfläche heraus. Durch das Wandern der "Pazifischen Platte entfernt sich der Vulkan von dem Hot Spot, die Eruptionen hören auf. Im seichten Küstengewässer beginnt jetzt das Wachstum der Korallen, die im Lauf der Zeit ein Saumriff um die Insel bilden. Dort, wo Süßwasser von den Hängen ins Meer mündet, bleiben Öffnungen im Riffgürtel, die später bei der Besiedlung durch den Menschen natürliche Durchfahrten für die Boote bilden. Die meisten Südsee-Inseln sind von Korallenriffen umgeben. Winzige helle Partikel der Kalksteinschalen werden von den Wellen zum Strand an die Inseln gespült. Beispiele: Ra-rotonga (Cook-Inseln), Upolu und Savai'i (Samoa), Tutuila (Ameri-kanisch-Samoa).

3.Barriereriffinseln

Je weiter sich die erloschene Vulkaninsel vom Hot Spot entfernt, desto niedriger erhebt sie sich über der Meeresoberfläche - verursacht durch Erosion oder durch einfaches Absinken. Weiter in die Höhe wächst dagegen das Korallenriff, bis es sich über den Wasserspiegel erhebt und die Vegetation Wurzeln schlägt. Motus heißen diese kleinen palmenbewachsenen Eilande, die weiter draußen im Meer aneinandergereiht einen schützenden Ring um die Vulkaninsel und das seichte Küstengewässer (Lagune) bilden. Beispiele: Bora Bora (Französisch-Polynesien), Aitutaki (Cook-Inseln).

4.Atolle

Die Vulkaninsel ist gänzlich im Meer versunken. Nur noch die flachen Motus des Korallenriffs erheben sich über dem Meer und umschließen das seichte, ruhige Salzwasser der Lagune. Beispiele: Tuamotu-Inseln (Französisch-Polynesien), Manihiki und Puka-puka (Cook-Inseln).

5.Koralleninseln

Ein untermeerischer, mit Korallenbänken überlagerter Vulkanstumpf wird gehoben und erhebt sich mit der Kalksteinschicht flach über dem Meeresspiegel. Beispiele: Vava'u und Tongatapu (Tonga). Wird der Kalkstein abgetragen, ragt das Vulkangestein aus dem Wasser. Diese seltenere Inselart heißt Makatea Island. Beispiel: Atiu (Cook-Islands).

Tätowierung

Auf fast allen Südsee-Inseln begegnet man heute noch mehr oder weniger großflächig tätowierten Menschen, Männern wie Frauen. Meist weisen Arme oder Beine lediglich kleine, dunkle Dekors auf Der dauerhafte Hautschmuck, das Tattoo, galt als traditionelles Zeichen von Schönheit, Mut und Stärke.
Ursprünglich wurden die Muster von hoch angesehenen Tat-too-Künstlern mit angespitzten Knochen oder scharfem Schildpatt in die Haut gestichelt oder geritzt, eine Prozedur, die ausgesprochen schmerzhaft war. Ein aus einer Nußart gewonnener schwarzer Farbstoff, in die frischen Wunden gerieben, machte das Muster dauerhaft sichtbar.

Die jeweiligen Muster waren regional unterschiedlich und traditionell vorgeschrieben. Sie wurden von Generation zu Generation überliefert, oft in Form von in Holztafeln geschnitzten Motiven. Mit Einsetzen der Geschlechtsreife waren Jungen und Mädchen auch reif für die schmerzhaften Sticheleien. Nur in Fidschi wurden ausschließlich Frauen tätowiert. Ansonsten gab es weibliche und männliche Motive und unterschiedliche Körperregionen, die behandelt wurden. Bei Männern umfaßte die

Tätowierung häufig großflächig Hüften und Oberschenkel (Sa-moa) oder Brust und Schultern (Französisch-Polynesien). Die Muster auf weiblicher Haut fielen in der Regel dezenter aus. Heute tragen junge Männer und Frauen nur noch ganz selten derart auffällige Tattoos auf der Haut; in Französisch-Polynesien ist der traditionelle Hautschmuck schon vor langer Zeit fast gänzlich in Vergessenheit geraten.

 

Essen

Wer sich in der Südsee auf reich gedeckte Tische mit exotisch gewürzten, fremdartigen Speisen freut, wird enttäuscht werden. Die Hotels und Restaurants bieten überwiegend internationale Küche. An hochwertigen Grundnahrungsmitteln besteht kein Mangel. Die immer noch sauberen Meeresgewässer rund um die Inseln garantieren fangfrische Fische, Krustentiere und Muscheln. Gemüse und Früchte oder delikates Lammfleisch liefert in den meisten Fällen Neuseeland, Schweine und Hühner werden auf vielen Inseln gehalten.
Kulinarisch ist die Südsee für Touristen also kein Abenteuer. Vielmehr ein Schlaraffenland, in dem man die Bananen am Wegesrand von der Staude brechen und die bunten Lagunenfische fast mit der Hand im glasklaren Wasser fangen kann. Saftige Papayas gedeihen im Überfluß (wer zu viele ißt, bekommt Durchfall!), und die frische Kokosnuß kostet allenfalls die Kraft, den Stamm der Palme hinaufzuklettern, um die Frucht zu pflücken. Derart paradiesische Zustände, in denen die Natur Tischlein-deck-dich spielt, haben allerdings die Kreativität in der Kochkunst der Insulaner gehemmt. Würzige Saucen, cremige Suppen, raffiniert zubereitetes Bratenfleisch oder gefüllte Fischgerichte kennt der traditionelle südseetypische Speiseplan nicht.

Daß Gourmets in Französisch-Polynesien schon eher auf ihre Kosten kommen, dafür verbürgt sich die gute, aber auch teure Haute Cuisine des Mutterlandes. Da stehen nicht nur die richtigen Weine auf dem Tisch, sondern auch schon einmal bretonische Miesmuscheln, freilich tiefgefroren und für horrend viel Geld eingeflogen.
Eine hervorragende indische Küche wird in Fidschi geboten. Kein Wunder, denn etwa die Hälfte der Bevölkerung ist indischer Abstammung. Vor allem in den Städten Suva und Nadi gibt es einige erstklassige Restaurants, deren Köche die verschiedenen Curries in allen Schärfevariationen zubereiten.

Das traditionelle Südsee-Essen ist kaum gewürzt und kommt aus dem Erdofen. Überall auf den Inseln wird diese Art der Zubereitung seit Generationen gepflegt und steht auch heute noch im Mittelpunkt aller Feste und Familienfeiern. Für den Erdofen wird eine Grube ausgehoben, in der dann erhitzte Steine für die nötige Temperatur sorgen. Die einzelnen Nahrungsmittel werden übereinandergeschichtet, wobei Fleisch ganz zuunterst, direkt auf den Steinen, gart, während Gemüse oben liegt. Der gesamte Garprozeß in der von Palmenblättern abgedeckten Grube dauert Stunden und kann mit den austretenden Essensdüften den Appetit an den Tischen nur steigern.

Das wissen auch dievKüchen-chefs der Hotels, die regelmäßig Gegartes aus dem Erdofen als südseetypisches Büffet den Gästen offerieren. Hähnchen- und meist sehr fettes Schweinefleisch kommen heiß auf den Tisch, ebenso Süßkartoffeln, in Stücke geschnittene Taro- und Jamswur-zeln sowie Brotfrüchte und ein spinatähnliches Gemüse aus den Blättern der Taro-Pflanze.

Sehr schmackhaft, aber nicht jedermanns Sache, ist in Kokosnußmilch eingelegter roher Fisch, der natürlich kalt serviert wird. Lauwarm, mit einem Schuß Kokosmilch angereichert, schmeckt Poe (in Französisch-Polynesien) am besten, ein Fruchtpüree, das zu einer puddingähnlichen Masse eingekocht wird.
Natürlich ist das weiße Fleisch der Kokosnuß vom Südsee-Speiseplan nicht wegzudenken. Ob als bißfester Happen, in geraspel-ter Form oder zu sämiger Milchgepreßt - Kokosnußfleisch bereichert die Speisenfolge und verfeinert die ansonsten ungewürzten Gerichte. So ähnlich die Speisen auf den einzelnen Südsee-Inseln zubereitet werden und auch schmecken, so verschieden klingen die Bezeichnungen in der jeweiligen Sprache der Inselbewohner: So heißt der Erdofen auf den Cook-Inseln Umukai, in Französisch-Polynesien Himaa, in Fidschi Lovo, in Tonga und Samoa Umu.

Trinken

In dem tropischen Klima der Südsee dürstet der menschliche Körper nach Flüssigkeit. Wasser ist auch hier das einfachste, preiswerteste und gesündeste Mittel, dieses Bedürfnis zu stillen. Doch Augen und Geschmacksnerven lassen sich angesichts der farbenfrohen, exotischen Früchtevielfalt von Mangos, Papayas, Guaven und Bananen nur allzuleicht zu einem mit Alkohol angereicherten Cocktail oder einem cremigen, kalorienreichen Punsch verführen. Vor allem in den Bars der größeren Hotels in Französisch-Polynesien verstehen die Mixer mit dem Shaker umzugehen, und ellenlange Cocktaillisten machen die Wahl zur Qual. In immerhin neun Inselstaaten wird auch Bier gebraut. Der Gerstensaft ist meistens nicht nur preiswerter, sondern kann es auch geschmacklich mit internationalen Biermarken aufnehmen. Vailima heißt das Bier, das, so die Werbung, nach deutschem Reinheitsgebot in Samoa gebraut wird und im Land vor kurzem Konkurrenz bekommen hat - von Manuia, dessen Zutaten ein Neuseeländer mischt. Tusker wird in Vanuatu in die Bierflaschen gefüllt und Hinano in Französisch-Polynesien, Number One steht auf den Etiketten in Neukaiedonien, und in Papua-Neuguinea heißt der Gerstensaft South Pacific Lager, im Königreich Tonga selbstverständlich Royal Lager. Seither ist auch die Reglementierung, Alkohol an die königlichen Untertanen restriktiv nur gegen Märkchen zu verteilen, aufgehoben. Fidschi hat sein Fiji Bitter, die Cook-Inseln haben ihr Cooks Lager, und auch die Salomon-Inseln sind mit Sol Brew unter deutscher Anleitung in die Bierproduktion eingestiegen.

Das traditionelle Erfrischungsgetränk in der Südsee ist der Saft (oder die Milch) der grünen Kokosnuß (nicht zu verwechseln mit dem sehr fettreichen und sahnigen Konzentrat aus gepreßtem Fleisch der reifen Kokosnuß). Den farblosen Saft bekommt man nur selten zu Gesicht, weil er meist direkt aus der oben etwas aufgeschlagenen Nuß getrunken wird. Zu haben sind die Natur-Drinks überall, am Straßenrand für wenig Geld, an der Hotelbar etwas teurer, dafür mit Strohhalm, oder selbstgepflückt und kostenlos direkt von der Kokospalme. Nur ganz junge, außen grüne Kokosnüsse liefern den köstlichen Saft, der am besten eisgekühlt schmeckt.


Kava

Kava ist mehr als ein Getränk, Kava ist eine Zeremonie, ist Ausdruck reiner Südsee-Kultur. Und die Südsee-Insulaner sind versessen auf Kava - bis auf die Tahitia-ner, bei denen das Getränk völlig unbekannt ist. Dabei ähnelt die bräunliche Flüssigkeit ange- schmutztem Spülwasser und ist auch geschmacklich nicht weit davon entfernt.
Kava enthält keinen Alkohol, soll aber in größeren Mengen eine beruhigende bis leicht berauschende Wirkung haben. Zubereitet wird das Getränk aus Yaqona, den getrockneten Wurzeln der Pfefferpflanze, die zu Pulver zerstampft und anschließend in einer geschnitzten Holzschale mit Wasser vermengt werden. Je weniger Wasser, desto stärker der Kava, was sich beim Trinken sofort an der Betäubung der Zunge bemerkbar macht.

Zubereitung und Trinken sind feierliche Handlungen nach einer streng vorgeschriebenen Zeremonie, insbesondere bei der Begrüßung von Gästen. Wer von den Einheimischen eingeladen wird, sollte als Gastgeschenk auf dem Markt ein Bündel Kava-Wurzeln besorgen. Wird einem dann eine Schale mit Kava gereicht (lehnen Sie auf keinen Fall ab oder zeigen Ekel!), klatscht man einmal hohl in die Hände, bevor das Getränk angenommen wird. Die Schale sollte in einem Zug ausgetrunken werden. Nachdem man das leere Gefäß zurückgereicht hat, schreibt die Kava-Zeremonie dreimaliges In-die-Hände-Klatschen vor.

Die Fidschianer schütten Kava förmlich in sich hinein. Mit der Menge, die sie konsumieren, liegen sie weit vor allen anderen Südseevölkern. Touristen wird inzwischen als kleine praktische Landeskunde Kava im Hotel, bei Ausflügen oder abendlichen Büffets angeboten, allerdings in harmloser, stark verdünnter Form. Hier dürfen Sie auch ablehnen.

 


 
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