Osterinsel

 

 

 

 

Entdeckung der Osterinsel



Am Ostersonntag des Jahres 1722 erreichte ein Geschwader von drei holländischen Schiffen die Insel, die die Einheimischen Rapa Hui nennen. Mehr als 500 Steinkolosse, die Moai, in verschiedenen Stadien der Fertigstellung machen die Insel zu einem der rätselhaftesten Orte der Erde. Wissenschaftler nehmen an, dass sie um 400 n. Chr. zum ersten Mal von den Marquesas-Inseln aus besiedelt wurde, die Entstehungszeit der Skulpturen wird auf den Zeitraum zwischen 1000 und 1600 geschätzt. Die Rongaronga-Schriftzeichen konnten bis heute nicht entziffert werden - 25 Tafeln sind über die Völkerkundemuseen der Welt verstreut, auf Rapa Nui gibt es keine einzige mehr.

Von Carl Friedrich Behrens weiß man nur, dass er 1701 in Mecklenburg geboren wurde, dass es - in seinen eigenen Worten -ihn »immerfort zu nichts anderem als weiten Reisen zu Wasser und zu Lande« trieb; dass er auf der Südseereise einen nicht näher bestimmten Dienstgrad unter Jakob Roggeveens Kommando innegehabt und wahrscheinlich seine Tage als Lebküchner in Nürnberg beschlossen hat, nachdem er in Holland niemanden für die Idee einer weiteren Expedition begeistern konnte. Sein Bericht fand besondere Beachtung, weil Roggeveens Aufzeichnungen erst 1838 veröffentlicht wurden. Wiederum hat die Ostindische Kompanie die zwei übrig gebliebenen Schiffe in Batavia beschlagnahmt, weil sie der Westindischen Kompanie gehörten und sie somit das Handelsmonopol unterlaufen hatten, das der Ersteren den alleinigen Schiffsverkehr im Indischen und Pazifischen Ozean zwischen Kapstadt und Kap Hoorn zusprach.

Wir hatten täglich Land- und Seevögel um uns, die uns so lange Gesellschaft leisteten, bis wir endlich eine Insel entdeckten, nämlich am 6. April, also am ersten Ostertag. Das erfreute uns herzlich, weil sie sich am Tag der triumphierenden Auferstehung unseres Herrn zeigte, und wir nannten sie sogleich Pasch-Eiland oder Osterinsel. Sie hatte etwa 8 Meilen im Umkreis. Unsere Afrikanische Galeere [der Name eines der drei Schiffe] war nahe ans Land gekommen, und es wurde berichtet, dass der Ort sehr fruchtbar zu sein schiene, auch notwendigerweise bewohnt sein müsse, weil man hier und da Rauch aufsteigen sähe. Am nächsten Tag gingen wir mit unseren Schiffen dorthin, um einen Hafen zu suchen, worauf uns einer von den Einwohnern in einem kleinen Schiffchen etwa zwei Meilen vom Land entfernt entgegenkam. Wir nahmen ihn in unser Schiff und gaben ihm ein Stück Leinen um seinen Leib, weil er ganz nackt war, auch beschenkten wir ihn mit Korallen und anderen Kleinigkeiten, die er alle um den Hals hängte, neben einen getrockneten Fisch. Er war sehr artig bemalt mit allerhand Figuren, braun von Farbe, mit langen Ohren, die bis auf die Schultern herab hingen; sie werden wohl durch ein Gewicht die Länge bekommen haben, nach Art der mongolischen Mohren. Er hatte eine ziemliche Länge, war stark von Gliedern und gut von Gesicht, munter von Gestalt, angenehm in Reden und Gebärden.

Wir gaben diesem Südländer oder fremden Gast ein Glas Wein zu verwunderten. Ich glaube, er dachte, dass man ihm dadurch vergeben würde, wie es unter den Indianern allgemein Brauch ist. Wir zogen hierauf unserem neuen Gast auch Kleider an und setzten ihm einen Hut auf, aber er zeigte sich sehr ungeschickt beim Anziehen. Wir gaben ihm auch zu essen, aber er wusste sich nicht mit Löffel, Messer oder Gabel zu behelfen. Nachdem er das Mahl eingenommen hatte, mussten unsere Musikanten auf allerlei Musikinstrumenten spielen, und als man ihn an der Hand fasste, fing er an zu hüpfen und zu springen, wir dagegen freuten uns über seine Zufriedenheit. An diesem Tag kamen wir noch nicht zu Anker, weswegen wir ihn mit den erwähnten Geschenken wieder an Land gehen ließen, um seinen Brüdern zu erzählen, wie man ihn aufgenommen hätte. Aber er schied ungern von uns und hob seine Hände, wendete seine Augen gen Land und fing stark an zu schreien mit den Worten: »O dorroga! O dorroga!« und wollte nicht in sein Boot, sondern bei uns bleiben, damit wir ihn mit unserem Schiff an Land brächten. Ich nehme an, durch dieses Geschrei hat er seinen Gott angerufen, weil man sehr viele Götzenbilder am Strand sehen konnte.

Wir hielten die Nacht unter Land, bis wir endlich gegen Morgen in Südost in einer Bucht oder Einfahrt vor Anker gingen. Die Einwohner oder Nachen brachten uns ungekochte und gebratene Hühner und viele Wurzeln, und an Land liefen sie wie das Wild am Strand auf und nieder. Einige hatten sich niedergelassen und sahen unsere Schiffe mit Verwunderung an, teils wohl aus Neugierde, teils wollten sie sehen, was wir wohl suchten. Bei ihren Götzen brannten sie Feuer ab um zu opfern oder zu beten; aber an diesem Tag konnten wir noch nicht an Land kommen.

In der Frühe konnten wir aus der Ferne sehen, dass sie sich gegen den Aufgang der Sonne niederwarfen und einige hundert Feuer angelegt hatten, die wohl ein Morgenopfer für ihre Götzen bedeuten sollten. Wir machten uns darauf zur Landung fertig. Da kam aber unser voriger Gast Hühner und Wurzeln; dabei war auch ein ganz weißer Mensch, der weiße Klötze in den Ohren trug, dick wie eine Faust, und er sah sehr fromm aus, so dass wir ihn für einen Götzendiener hielten. Es wurde einer von denen, die in den Fahrzeugen waren, unversehens erschossen; worauf sie alle ins Wasser sprangen und teils an Land schwammen, teils mit den Nachen davoneilten. Es muss wohl eine große Bestürzung unter ihnen verursacht haben.

Darauf gingen wir im Namen Gottes mit ungefähr 150 Mann, Soldaten wie Schiffsknechten, an Land, und unser Admiral [Roggeveen] war selbst in Person bei denen, zu denen ich abkommandiert war. Ich war der Erste, der bei der Landung unserer Leute die Insel mit seinen Füßen betrat. Die Einwohner kamen nun in so großer Zahl, dass wir fast nicht durch sie hindurchkommen konnten, so dass wir mit Gewalt durchbrechen greifen, so wurde Feuer auf sie gegeben, worüber sie sehr erschraken und auseinander liefen; sie setzten sich aber in Haufen nieder, obwohl sie sich nicht mehr als zehn Schritte von uns entfernten, weil sie dachten, sie wären dann vor der Gefahr unserer Gewehre sicher. Es wurden hier viele erschossen, auch lag der Mann, der vorher bei uns gewesen war, bei den Toten, was uns sehr jammerte. Um die Toten abzuholen, kamen sie in Haufen und brachten von allen Früchten und Gewächsen Präsente mit, damit wir sie herausgaben. Die Verwirrung dieser Leute war ungemein groß, ja ihre Kindeskinder werden noch von uns zu erzählen wissen.

Sie machten ein ungewöhnliches Geschrei, brachten Palmzweige und rote und weiße Fahnen, Frauen und Kinder und allerhand Früchte: indianische Feigen, große Nüsse, Zuckerrohr, Wurzeln, Hühner lebendig und gebraten, ja sie "warfen sich zu unseren Füßen nieder, streckten die Fahnen vor uns aus, gingen auf den Knien zu uns und präsentierten ihre Palmzweige als Friedenszeichen; auch wiesen sie auf ihre Frauen, ob wir mit ihnen in ihre Hütten gehen wollten oder sie auf die Schiffe mitnehmen? Allein wir taten ihnen kein Leid an, sondern beschenkten sie mit einem Stück bunter Leinwand von ungefähr 50 bis 60 Ellen; wir beschenkten sie auch mit Korallen, kleinen Spiegeln und Ähnlichem, woraus sie entnehmen konnten, dass wir ihre Freunde seien. Darauf brachten sie uns mehr als 500 lebendige Hühner, die den unsrigen gleich waren, nicht gezählt die gekochten und gebratenen. Dazu viele Wurzeln, rote und weiße, auch eine gute Menge Erdäpfel, die fast wie Brot schmeckten und die sie an Stelle von Brot essen, dazu einige hundert Stück Zuckerrohr, dazu auch viele Pisangs. Das sind indianische Feigen, so groß wie eine Gurke, eine Spanne lang und auch so dick, mit grüner Schale.

Wenn man die abzieht, so schmecken sie wie die Feigen oder süß wie Honig. Es sind um die hundert davon an einer Traube, das Blatt ist zwei bis drei Fuß breit und wohl sechs bis acht Fuß lang. Unsere ersten Eltern sollen sich im Paradies nach dem leidigen Sündenfall mit diesen Blättern bedeckt haben, weil es fast das größte und stärkste Blatt ist, das man im Morgen- und Abendland findet. Wir sahen, so weit wir kamen, keine anderen Tiere auf dieser Insel als mancherlei Gattungen von Vögeln. Doch kann tiefer im Land noch viel anderes Vieh sein, denn die Einwohner kannten Schweine, wie sie sie bei unseren Schiffen gesehen hatten.

Ihre Speise bereiten sie in Töpfen, die aus Erde oder Ton gemacht sind. Es scheint, als ob jede Haushaltung mit ihren Ländereien für sich abgeteilt wäre. Die Häuser sind 40 bis 60 Schuh lang und sechs bis acht Schuh breit, mit hölzernen Stangen aufgerichtet, mit Leim verschmiert und mit Palmblättern gedeckt. Was ihre Nahrung betrifft, schien es, als ob sie sie vom Feldbau haben müssten. Denn es war alles bepflanzt und bewachsen, auch die Äcker, das ganze Land wie nach der Schnur akkurat abgemessen und sehr artig eingerichtet. Auch war gerade um die Zeit, als wir da waren, alles in der vollkommenen Reife und Zeitigung. Felder und Bäume trugen sehr reichlich ihre Früchte, und ich glaube sicherlich, dass, wenn man das Land recht durchsucht hätte, man darin viel Gutes gefunden hätte, da wir damals um die beste Zeit des Jahres dort waren. In den Häusern fand man keine sonderlichen Mobilien, ausgenommen einige rote und weiße Decken, mit denen sie sich manchmal bekleideten und auf denen sie auch schliefen. Diese Decken waren, wenn man sie anfasste, wie Seide, so dass man wohl schließen konnte, sie müssten Webstühle haben, auf denen sie sie fertigten.

Die Einwohner waren durchgehend munter, wohlgestaltet, stark von Gliedern, nicht ganz mager und doch hurtig auf den Füssen. Freundlich und anmutig von Gebärden, demütig, aber dabei auch sehr furchtsam; denn die meisten, wenn sie etwas brachten, mochten es nun Hühner oder Früchte sein, warfen alles nieder und liefen mit möglichster Geschwindigkeit ihres Weges davon. Der Farbe nach waren sie bräunlich, ungefähr wie die Spanier, doch findet man einige schwärzer, einige auch ganz weiß, wie auch einige rot, als ob sie von der Sonne stark verbrannt wären. Ihre Ohren waren so lang, dass sie ihnen bis auf die Schultern hingen. Einige hatten weiße Klötze darin als besonderen Zierrat. Ihr Leib war bemalt mit allerhand Vögeln und wunderlichen Tieren, immer eines schöner als das andere. Die Weiber waren mehrenteils im Gesicht mit roter Farbe bestrichen, die weit kräftiger war, als wir sonst eine gefunden haben; wir wissen aber nicht, woraus sie diese schöne Farbe machen. Die Weiber waren alle mit roten und weißen Decken bekleidet, und jede hatte einen kleinen Hut auf, aus Stroh oder Rohr gemacht; sie setzten sich vor uns nieder und entkleideten sich, lachten und waren sehr freundlich. Andere riefen von fern aus ihren Häusern und winkten uns mit den Händen, zu ihnen zu kommen.

Es war in der Gegend, wo wir waren, ein Dorf von ungefähr 20 Häusern. Die Leute hatten dem Anschein nach keine Waffen, allein, wie ich merkte, so verließen sie sich in dem Fall auf ihre Götter oder Götzenbilder, die dort in einer großen Menge am Strand aufgerichtet standen. Vor ihnen fielen sie nieder und beteten sie an. Diese Götzenbilder waren alle aus Stein gehauen und der Form nach wie ein Mensch, mit langen Ohren, oben auf dem Haupt mit einer Krone geziert, doch alles mit Kunst gemacht, worüber wir uns nicht wenig verwunderten. Um diese Götter lagen bei 20 bis 30 Schritt lauter weiße Steine. Einen Teil dieser Leute sah ich für Pfaffen an, weil sie die Götzen mehr verehrten als die anderen und sich auch im Anbeten viel devoter zeigten. So konnte man sie denn von den anderen auch gar wohl unterscheiden, denn in den Ohren hatten sie nicht nur große weiße Klötze, sondern ihr Haupt war ganz kahl und ohne Haar. Einer von ihnen war, wie schon bemerkt, bei uns auf dem Schiff.

Sie trugen eine Mütze von weißen und schwarzen Federn, die den Storchenfedern gleichkamen, so dass wir der Meinung waren, dass ein Teil der Störche, die zu ihrer gewöhnlichen Zeit aus Europa gezogen kämen, hier ihren Aufenthalt suchen müssten. Was aber um diese Jahreszeit nicht wohl sein könnte, da es April war, um welche Zeit die Störche ihre Rückreise bereits wieder angetreten haben. Doch kann auch nicht wohl sein, dass auf der Höhe von 28 'A Grad, auf der diese Insel liegt, die Störche sich aufhalten können; denn gleichwie die Natur an diesen Vogel etwas Sonderliches gelegt, so muss ein jedweder bekennen, dass, wenn der Storch ein warmes Klima suchte, man ihn in unseren Ländern nicht sehen würde. Denn auf der Breite von 28 Grad ist das ganze Jahr kein Winter, sondern warme Luft.

Ich glaube vielmehr, dass der Storch, wenn er wegzieht, das Klima gegen den Südpol sucht, so wie er hier gegen Norden zu sehen ist, da er aus dem Herbst in den Frühling zieht, da sich ja auch gegen den Herbst alles, was seine Nahrung ist, verkriecht, dass er hingegen im Frühling kommt und sich zwischen dem 40. und 50. Grad Südbreite auf einigen unbekannten Ländern oder auf dem Lande von Hernandus Gallego, welches er Anno 1595 [gemeint sind die Marquesas und Salomonen] entdeckt hat, sich aufhält, bis dass der Herbst wieder anfängt, und er sodann seine Rückreise nach Norden antritt. Der Storch wird bei den Gelehrten in einigen Anmerkungen genannt, wie bei Epiphanio, Heldelino, Guicciardyno, Munstero und anderen bewährten Scribenten[Kosmographen des 15., 16. und 17. Jahrhunderts] weitläufiger zu sehen Weil der Abend nahte, gingen wir alle wieder auf unsere Schiffe mit der Meinung, am anderen oder am dritten Tag das Land besser zu erkunden. Man konnte bei diesen Leuten nicht bemerken, dass sie einen König hätten, denn es war kein größerer Unterschied zwischen ihnen, als dass die Ältesten auf ihren Häuptern weiße Federn hatten, die aussahen wie Straußenfedern, und einen Stock in ihrer Hand, doch konnte man sehen, das jeder Haushalt für sich war, worin der Älteste die Herrschaft führte.

Die Insel ist recht und bequem gelegen, um einige Erfrischungen zu holen, denn es ist dort alles Land bebaut. Auch sah man von fern ganze Wälder. Man sollte dort wohl Korn säen können, auch Weinberge anlegen; dies möchte bei einer Entdeckung des Südlandes sehr dienlich sein. Wir bekamen hier einen Sturm aus Westen, so dass wir zwei Anker verloren und genötigt waren, in See zu gehen. Sonst hätte es leicht sein können, dass wir mit allen drei Schiffen dort gestrandet und so mit zu Einwohnern dieses Landes geworden wären. Ich habe mir manchmal darüber Gedanken gemacht, dass, wenn das wirklich geschehen wäre, man die Menschen dieser Insel leicht xum christlichen Glauben hätte bringen können.

(Hrsg. Von: Ulrike keller )

Einleitung Allgemeines Mythologie Kultur Sprache Inseln Bilder Videos Südsee Links Sonstiges